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Vortrag von Mark Chalil Bodenstein - "Der Prophet in der Revolte"

19. November 2013

 

Der Prophet in der Revolte war der Titel des zweiten Termins unserer Ringvorlesung. Prof. Bodenstein zeigte in seinem interessanten Vortrag,  dass die prophetische Sira mit ihren Handlungsbeispielen nicht nur herrschafts- und gesellschaftskritisches Potential hat sondern zur Revolte verpflichtet.  Ausgehend von seiner Beschäftigung mit dem  Phänomen US-amerikanisch, muslimischer Jugendkultur und Punkmusik, greift er Albert Camus und Michel Foucault  auf, um die „revolutionäre“ Dimension des Propheten zu unterstreichen. Während Camus in seinem Werk „Der Mensch in der Revolte“ zeigte  ,dass  die Revolte die Wesensmöglichkeit des heutigen Menschen ist, erklärte Foucault in seinem Text  „Was ist Kritik?“, dass das „Nein“ der Revolte eine Frage und ein Problem des Naturrechts, gegen jede Form von Autorität, ist. Mit diesem Bogen zu Camus und Foucault versuchte Prof. Bodenstein zu zeigen, dass die Revolte die treibende Kraft sowohl des Denkens im Allgemeinen als auch des theologischen Denkens insbesondere sein kann.

Im Anschluss an die Schilderung der Eroberung Mekkas im Jahre 8 nach islamischer Zeitrechnung in der Prophetenbiographie des Ibn Isaac, diskutierte Bodenstein die politischen und sozialen Implikationen der religiösen Entscheidungen  des Propheten. Er bemerkte, dass der Prophet trotz seiner „revolutionären“ Entscheidungen wie der Götzensturz oder die Forderung nach Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Menschen, Mäßigung bewiesen hat, als er  Kontinuität bei der Verwaltung des Heiligtums und der Organisation der Pilgerfahrt bewahrte. Die Forderung nach Gleichheit und Gerechtigkeit, die der Prophet Muhammad – und Propheten vor ihm – gestellt hat, wurde in der Moderne  vom muslimischen Theologen Farid Esack aufgegriffen und in seinem Kampf gegen  das südafrikanische Apartheidsregime angewendet. Bodenstein zeigt damit, dass eine befreiungstheologische Umsetzung der Revolte, als kritische Mitwirkung mit explizit friedlichen Mitteln, aus einer muslimischen Sicht möglich und notwendig  ist. Sie ist als ein ethischer Anspruch an jeden Einzelnen gläubigen in der Gemeinschaft als Konsequenz der prophetischen Revolte zu verstehen.


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